Peter Schreiner
Der für die Initiative wesentlich verantwortliche EU-Kommissar, Ján Figel', betonte bei der Eröffnung, dass es bei der europäischen Integration um ein besseres Miteinander der Menschen gehe, und nicht darum, Staaten miteinander zu vereinigen. Er plädierte dafür, den Zustand multikultureller Gesellschaften, in denen verschiedene Kulturen in Parallelgesellschaften zusammenleben, weiterzuentwickeln und Integration als gleichen Zugang aller zu den gesellschaftlichen Ressourcen zu verstehen. Das brauche weder Assimilation noch Absorption. Figel‘ unterstrich, dass die Kenntnis der eigenen Kultur dazu verhelfe, Menschen aus anderen Kulturen besser begegnen zu können. Die Förderung des interkulturellen Dialogs auf verschiedenen Ebenen – dazu soll das Europäische Jahr anregen.
Sowohl die Europäische Union als auch der Europarat haben den Dialog mit den Religionsgemeinschaften in strukturierter und regelmäßiger Form verabredet. Die Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften werden als wichtige Partner der Zivilgesellschaft angesehen. Die Erwartungen an deren konstruktives Mitwirken bei der Gestaltung Europas sind nicht gerade gering. Für April hat das Ministerkomitee des Europarates zu einem ersten Austausch über die Religiöse Dimension im interkulturellen Dialog eingeladen unter dem Thema: „Teaching religious and convictional facts“. Derzeit entsteht mit dem „Weißbuch zum interkulturellen Dialog“ auch ein wichtiges Dokument, das für die Politik des Europarates in den nächsten Jahren wegweisend sein kann.
Da überrascht es dann doch, dass „Religion“ als wichtige Dimension und Thema des interkulturellen Dialogs bei der Eröffnung kein explizites Thema war. Es war dem Präsidenten des Europäischen Parlamentes, Hans- Gert Pöttering, vorbehalten, auf die Bedeutung der friedlichen Koexistenz von unterschiedlichen Kulturen und Religionen hinzuweisen. Er erinnerte daran, dass Dialog Respekt für die Würde des Anderen bedeute, auch für seine religiösen Überzeugungen und Meinungen. Er kündigte regelmäßige Dialoge zwischen Parlament und leitenden Geistlichen der Religionen an.
Das Europäische Jahr für interkulturellen Dialog wird von europaweiten Veranstaltungen und Aktionen geprägt (Info unter: http://www.interculturaldialogue2008.eu/), die unter dem Motto stehen „Together in diversity“. Für den bundesdeutschen Bereich koordiniert das BMFSFJ insgesamt acht Teilprojekte, darunter 0 Dialogveranstaltungen des Interkulturellen Rates zu „Schulische und außerschulische Dialog- und Bildungsarbeit mit multireligiösen (abrahamischen) Teams.“
Das Comenius-Institut unterstützt eine Tagung des Internationalen Verbandes und der Intereuropean Commission on Church and School, die in Kooperation mit der Ev. Akademie zu Berlin am 18./19. September 008 in Berlin stattfinden wird. Unter dem Thema „Diversity shapes Europe’s future“ soll der Beitrag interkulturellen und interreligiösen Lernens, insbesondere im Rahmen religiöser Bildung, an Europas Schulen vorgestellt und diskutiert werden. Neben Beiträgen aus politischer Perspektive werden in Workshops Forschungsprojekte zu Religion und Bildung und praktische schulische Erfahrungen aus unterschiedlichen Regionen Europas vorgestellt. Wenn deutlicher und konkreter gesagt und gezeigt werden kann, was religiöse Bildung im Rahmen allgemeiner Bildung leistet, wie sich religiöse Kompetenz in der Gestaltung des Zusammenlebens in einem vielfältigen, pluralen Europa auswirkt, wird sich auch das Gespräch mit Politikern verändern.
CI Informationen 2008/1
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