Matthias Spenn, Dietlind Fischer
Was bedeuten Ganztagsschulen für die evangelische Kinder- und Jugendarbeit?
Neue Herausforderungen stellen sich den Lehrkräften. Auch auf Kirchen und die Jugendverbände wirken sich Ganztagsschulen aus. Schulen melden einen Bedarf nach Kooperation mit außerschulischen Trägern zur Ausgestaltung von Ganztagsangeboten an. Die Jugendhilfe erkennt ihre Mitverantwortung für Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer umfassenden Bildungsverantwortung, die formale schulische und informelle Bildung miteinander verbindet.
Die Diskussion um schulische Ganztagskonzepte ist neu entbrannt. Ideologisierungen vergangener Ganztagsschuldebatten scheinen einem Realismus und auch Pragmatismus gewichen zu sein. Die am 29. April 2003 zwischen allen Bundesländern und der Bundesregierung unterzeichnete Verwaltungsvereinbarung zum Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" ist das neue Programm. Es soll den Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen in den kommenden fünf Jahren mit vier Milliarden Euro aus Mitteln des Bundes fördern. Die Kultusministerkonferenz hat sich erstmals auf eine gemeinsame Definition von Ganztagsschulen verständigt und im Januar 2004 den ersten "Bericht über die allgemein bildenden Schulen in Ganztagsform in den Ländern in der Bundesrepublik Deutschland - Schuljahr 2002/03" vorgestellt. Als Gründe für diese Entwicklungen werden angegeben: die Notwendigkeit verbesserter Rahmenbedingungen für schulisches Lernen, zu denen für viele Wissenschaftler, Lehrkräfte, Eltern und Politiker auch ganztägige Schulen zählen, und die sozial- und arbeitsmarktpolitische Bedeutung von Ganztagsangeboten zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Die bildungspolitische Dynamik ist allerdings noch keine Garantie für gelingende pädagogische Erneuerung. Investitionen in Forschung, Unterstützung und Begleitung sind notwendig.
In mehreren Bundesländern (z.B. Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen) gibt es bereits Rahmenvereinbarungen über die Kooperation von Ganztagsschulen und Trägern der Jugendhilfe. Die Evangelischen Kirchen und die evangelische Kinder- und Jugendarbeit sind gut beraten, sich diesen Herausforderungen zu stellen. Auf viele Erfahrungen der Kooperation mit Schule kann dabei zurückgegriffen werden.
Das Comenius-Institut hat im Oktober 2003 gemeinsam mit dem Studienzentrum für evangelische Jugendarbeit in Josefstal und der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Schülerinnen- und Schülerarbeit eine Fachtagung zur Kooperation zwischen Ganztagsschule und Jugendarbeit durchgeführt. Darauf aufbauend werden Praxismodelle der Kooperation dokumentiert und ausgewertet, die über Gelingensbedingungen für gute Praxis Auskunft geben. Bei den allgemeinbildenden evangelischen Schulen wurde der Stand ganztägiger Angebote und der Bedarf im Blick auf künftige Entwicklungen ermittelt (www.evangelische-schulen-in-deutschland.de/wissenschaftlicheArbeitsstelle)
Materialien zu aktuellen Entwicklungen, Rahmenbedingungen, Forschung, Konzeptionsentwicklung, Praxismodellen und zur Kooperation Ganztagsschule und Kinder- und Jugendarbeit werden in einem Seminarraum "Ganztagsschule" bei www.rpi-virtuell.de zur Verfügung gestellt und fortlaufend aktualisiert.
Kontakt: Matthias Spenn
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